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Pause on a Gyre (08.-12.07.2026), Yola Brormann (Diploma Exhibition)

"Every personal experience is simultaneously a supernatural experience" [1]

T spricht von einer unklaren Werklogik und ich fange an, mich rauszuwinden. Ich mag das Rätsel, mag die Dunkelheit, mag die Unschärfe, das Rauschen, die Verwirrung und das Suchen. Bildwelten kreieren, die weder illustrieren, noch erklären, sie sollen bloß einen Resonanzraum schaffen. Eine Stimmung erzeugen kann doch schon genug sein.

Suchen, Durch den Sucher blicken. Kann die Umordnung, die mich überall und zu jeder Zeit umgibt, nur von mir untersucht werden wenn sie für einen Moment eingefroren wird? Habe ich deshalb seit ich denken kann, dieses Bedürfnis, Erfahrung schriftlich, zeichnerisch oder fotografisch festzuhalten? Weil einem sonst alles durch die Finger gleitet, ehe man es in Ruhe ansehen konnte? „For me, bewilderment is like a dream: one continually returning pause on a gyre.“ [2] Zurück in meinem Taubenschlag besuche ich Orte, die vor Büchern nur so überquellen. Mein Kontrollbedürfnis ist unbefriedigt und mündet in Überforderung. Aber ich habe meine Kamera dabei und kann auf Pause drücken und das Knüpfen der Zusammenhänge vertagen. Mittlerweile kann ich nicht anders, als das Rearrangement manisch in jedem Staubkorn zu bemerken. Wenn alles sich auf ein einzelnes Phänomen reduziert, bleibt mir nur noch die Parabel der Ästhetik. Dazu Tiefenschärfe, die alles, was ablenken könnte, verschleiert und in traumartigem Wabern entführt. Wie eine Dunkelkammer, deren schwachrotes Licht die Augen fast unbrauchbar macht, und dabei dazu beiträgt, ein Bild in die Welt zu bringen.

In der Badewanne liegen und mit den Fingern kleine Wirbel erzeugen. Die Wellen sehen aus wie die Eisschollen an der Ostsee, auf denen ich im Winter mit dir spazieren ging. Und das dampfende Glas Tee erzählt von der Freiheit, dem Moment, in dem die Teilchen sich aus ihrer Verbindung lösen, auf die Reise gehen. Du nennst es molekularen Jazz. Ich sehe einen Strudel, der mich mitreißt, dessen Chaos meine innersten Synapsen anregt. Eine Traumwelt.

[1 + 2] Fanny Howe: Night Philosophy, Divided Publishing

„For me, bewilderment is like a dream: one continually returning pause on a gyre.“
Fanny Howe

Ausstellungsdokumentation: Laura Wichmann
Ausstellungstext: Yola Brormann

CC: Yola Brormann, Pause on a Gyre, Leipzig, CC:, Frommannstraße 6, HGB Leipzig, Diplomausstellung CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre CC: Pause on a Gyre